Weiterer Großrechner für das Computermuseum Visselhövede

Vor rund vier Wochen bekam das Computermuseum Visselhövede das Angebot, einen Großrechner vom Typ IBM p690 zu übernehmen. Und obwohl es in den Vereinsräumen langsam eng wird, wollte sich niemand diese Gelegenheit entgehen lassen. Es konnte tatsächlich noch ein Plätzchen für die Maschine gefunden werden. Also das Angebot angenommen und die Abholung organisiert. Aber wie so oft, kam es anders. Nach rund zehn Kilometern stellte sich heraus, dass ein Reifen des gemieteten Anhängers „platt“ war. Ein gleichartiger Ersatz konnte an diesem Vormittag nicht gefunden werden. Somit musste die Abholung um eine Woche verschoben werden. Problematisch, da die Räume, in der die Maschine stand, dringend renoviert werden sollten. Die Zeit drängte also!

Visselhövede, 09.Mai 2015, 08:15 Uhr, 14 °C, wolkig. Drei Mitglieder des Compuermuseums machen sich auf den Weg, 1.200 Kilogramm feinste Computertechnik aus der Nähe von Kassel abzuholen. Ein Abenteuer, wenn Laderampen und Treppenstufen zu bewältigen sind. Ohne Aufzug, ohne Hebebühne.

Nach dem Eintreffen wurde die Situation begutachtet und die Demontage und Verladung der Maschine besprochen. Stück für Stück wurden die Komponenten aus dem Rack gezogen, sicher in Stretchfolie verpackt und aufgestapelt. Mit jeder Komponente wurde das Rack leichter. Aber nicht kleiner. Und auch nicht wirklich „leicht“! Die einzelnen Komponenten wurden, staubgeschützt durch die Folie, sicher in Decken im T5 verstaut. Das war einfach. Und das, obwohl zu der Maschine noch ein Storage-Array als „Zugabe“ gehörte. Hier muss vor der nächsten Abholung noch an der Absprache gearbeitet werden…

Das verbliebene, leere Rack brachte trotzdem noch irgendwas zwischen 200 und 300 Kilogramm auf die Waage. Dieses musste aber von einer rund 80 Zentimeter hohen Verladerampe herunter, rein in den Anhänger. Erst runter, dann rauf? So machen das nur Anfänger! Also den Anhänger präzise in Position gebracht, das Rack auf den Anhänger gekippt und – geschoben? Nein! Sondern den Rückwärtsgang eingelegt, bis das Rack fast komplett im Anhänger „steckte“. Nun musste nur noch die „Bodenplatte“ auf den Anhänger. Vorwärtsgang? Natürlich nicht! Oberste Devise: Keine Kratzer! Also Spanngurte in Kombination mit dem Planengestänge des Anhängers als Kran benutzt. Keine Frage, dass es funktioniert. Aber dass es SO gut funktioniert…

Tür zu, Plane dicht, Abfahrtskontrolle. Wo gibts hier was zu Essen?

Nach einem opulenten Mahl in einem „Restaurant“ einer großen Fast-Food-Kette ging es frisch gestärkt Richtung Visselhövede. Die Rückfahrt an sich war nur für unser Zugfahrzeug anstrengend.

Der Anhänger, auf den das Rack verladen wurde, war nur für diesen Tag gemietet. Es wurde entschieden, noch an diesem Abend komplett abzuladen. Wie bei der Verladung, machten die Kleinteile auch beim Ausladen kaum Probleme. Es mussten lediglich genügend Ecken gefunden werden, in denen diese „verschwinden“ konnten, um nicht im Weg zu stehen. Nun musste das Rack aus dem Anhänger. Das Raus war noch das Wenigste. Rack herausgezogen und hingestellt. Leider sind die von IBM verbauten Rollen nich treppenstufentauglich. Acht davon galt es bis zum Flur zu überwinden. Aber wie es für jeden Topf einen passenden Deckel gibt, gibt es auch eine Lösung für das Problem, ein IBM-p690-Rack über zwei kurze Treppen zu transportieren. Also mal eben das Rack auf die Treppe gelegt. Auf Decken natürlich! Oberste Devise? Aber wie nun die Unterseite des Rack anheben, um es in den Eingangsbereich zu schieben? Die Lösung: Vierkantholz, 38 X 38 X 1.000 mm. Auf Länge gesägt, unter die Rollen geklemmt und… Es funktionierte tatsächlich! Drei Personen waren in der Lage, die Unterseite des Racks anzuheben und das Rack dann auf Rollbrettern waagerecht in den Eingangsbereich zu schieben. Klar, alles hat eine Kehrseite. Denn nun kam niemand mehr durch die Tür. Kleinigkeiten…

Nachdem es einmal geklappt hat, konnte es beim zweiten Mal garnicht schief gehen. Rollbrett bereit gestellt. Rack vorne angehoben, die Treppe rauf und auf dem Brett abgelegt. Kantholz unter die Rollen, hau ruck, Rack waagerecht, vorwärts marsch! Und das gute Stück lag tatsächlich im Flur. Mission accomplished! Jedenfalls fast. Es war absehbar, dass am Folgetag nur zwei Personen zur Verfügung standen, die Maschine ins Rechenzentrum zu bringen. Daher das Rack schnell wieder aufstellen. Denn das könnte zu zweit schwierig werden! Feierabend für diesen Tag. Anhänger zurück bringen. Bett. An diesem Tag ist keiner ohne körperliche Schäden davon gekommen. Schultern, Finger, Handgelenke…

Sonntag.

Klingt einfach, muss es aber nicht unbedingt sein. Rack ins Rechenzentrum schieben. Komponenten reinschieben. Platz haben. Fertig. Es scheiterte schon an Ersterem. Wir werden nie erfahren, ob nun das Rack zu hoch, oder die Tür zu niedrig war. Die Entscheidung vom Vorabend, das Rack hinzustellen, war im Nachhinein betrachtet: doof.

Leider war es keine Option, einen eleganten Torbogen in die Wand zu meißeln. Es blieb also nur, das Rack zu zweit wieder hinlegen, ins RZ schieben, hinstellen. Gesagt, getan. Das Rack stand im Rechenzentrum. Grob in Position geschoben, konnten die ersten Komponenten ausgepackt und eingebaut werden. Die Maschine begann ihr zukünftiges Leben im Computermuseum Visselhövede …

 

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